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Gespräch am 18.7.2012


Prof. Dr. Norio Tsujimoto (Prof. für Straf- und Strafprozessrecht an der Kinki-Universität Osaka, z.Zt. Gastprofessor am Institut für Strafrecht an der Universität Augsburg):

Eine inhaltliche Analyse der Verständigung im deutschen Strafverfahren aus dem Blickwinkel eines Außenstehenden

Mit der gesetzlichen Regelung der Verständigung im Strafverfahren (§ 257c StPO) ist der Jahrzehnte währende Streit um diese Form der Prozessverkürzung und -beendigung nicht zum Erliegen gekommen. Weiterhin wird das Für und Wider diskutiert, und gerade die Wissenschaft steht den Absprachen unversöhnlich gegenüber. In dieser Situation analysierte Prof. Tsujimoto mit dem unverstellten Blick von außen die neue Rechtslage und arbeitete ihre Schwächen und Stärken heraus. Dabei war seine Blickrichtung besonders aufschlussreich, weil der Strafprozess in Japan im wesentlichen dem anglo-amerikanischen Parteiprozess folgt mit wenigen kontinentalen Einflüssen. Prof. Tsujimoto kam zu dem Ergebnis, dass die strafprozessuale Absprache, wie sie in Deutschland geregelt ist, auch für eine eventuelle Regelung in Japan Modellcharakter haben könnte, denn auch in Japan werden die Absprachen de lege ferenda intensiv diskutiert. Noch werden sie dort heimlich - wie in Deutschland vor 25 Jahren - getroffen.