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Gespräch am 27.1.2016


Dr. Markus Hirte (Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg o.d.T.):
Vom Einbruch des Schuldgedankens in das Strafrecht des Frühen Mittelalters

Die „Schuld“: Wohl einer der schillerndsten und meistverwendeten Begriffe mit oft völlig unterschiedlichem Inhalt. Im rechtlichen Kontext gehört die Schuld zu den zentralen Elementen unseres Strafrechts. Dass Strafe eine Schuld voraussetzt und die Schuld zugleich die Strafe begrenzt, war unserem Strafrecht jedoch nicht immer inhärent. Lange Zeit existierte die Vorstellung, dass „die Tat den Mann tötet“ (Erfolgsstrafrecht). Wie und vor allem wann kam es zu der Ablösung des Erfolgsstrafrechts durch ein Schuldstrafrecht? Der Werkstattbericht widmet sich bislang weniger beachteten Entwicklungen in der Epoche des Frühmittelalters. Er wirft ein genaueres Licht auf die Rolle des Kirchenrechts bei der Ausformung und Verbreitung des Schuldgedankens und spannt dabei einen chronologischen Bogen von den ersten Mönchs-Eremiten in den Wüsten Ägyptens über den heiligen Benedikt von Nursia (480-560) zu den Bußbüchern und germanischen Stammesrechten bis in das Hochmittelalter.